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29. Oktober 2013: Bad Nenndorf erinnert an die Pogromnacht von 1938

Das Bad Nenndorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus eröffnet am Samstag, 2. November, eine Projektwoche zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht von 1938. Vor 75 Jahren organisierte das NS-Regime Terrorangriffe gegen jüdische Bürger mit einer bis dahin beispiellosen landesweit koordinierten Gewalt-Attacke auf Synagogen, Geschäfte, Häuser und Menschen.

Tausende wurden inhaftiert und misshandelt, ein Anfang für die systematische und industriell organisierte Ermordung von Millionen Menschen jüdischen Glaubens in ganz Europa. Jährlich erinnern Gedenkveranstaltungen von Institutionen und Organisationen der Zivilgesellschaft in Deutschland und vielen Ländern der Welt an diese Terrornacht. Zu den Aktivitäten, die das Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“ für die „Projektwoche 9. November“ vorbereitet, gehören der Projektbeginn im öffentlichen Raum am Samstag, 02.11., eine Schulveranstaltung im Gymnasium , ein Abend mit Film und Filmdiskussion am 07.11. sowie Veranstaltungen direkt am 9. November.

Mit dem Erinnerungs-Projekt tritt das Bündnis für die Kultur der Vielfalt in der Stadtgesellschaft ein, für eine wehrhafte Demokratie gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, wie sie insbesondere von rechtsextremistischen Kräften ausgeht. So kündigen seit kurzem wieder Neonazi-Gruppen für Samstag, 02.11., Auftritte in der Kurstadt an. Zivilgesellschaftliche Organisationen hatten die Aktionen der RechtsextremistInnen in Bad Nenndorf Anfang August erfolgreich verdrängt. Ob die aktuell angekündigten Aktivitäten bekannter RechtsextremistInnen von den zuständigen Behörden zugelassen werden, entscheidet sich voraussichtlich ab Montag, 28. Oktober. Das Bündnis weist darauf hin, dass Neonazis, Mitglieder rechtsradikaler Organisationen und deren Anhänger zu den Veranstaltungen der Projektwoche keinen Zutritt haben. Es wird erwartet, dass viele Menschen aus Schaumburg und den Nachbarregionen das Eröffnungsprogramm des Bündnisses aktiv unterstützen.

Am Samstag, 02.11., soll um 11 Uhr in der Hauptstrasse unterhalb der evangelischen Kirche ein „Zug der Erinnerung“ beginnen, der an mehreren Stolpersteinen entlang zum Jüdischen Mahnmal in der Kurhausstrasse und dann zu einer Mahnwache am Gebäude der jüdischen Gemeinde in der Bahnhofstrasse führt. Von dort bewegt sich eine Demonstration entlang mehrerer Gedenkpunkte zum Platz vor dem Wincklerbad. An den Haltepunkten wird weiterer Opfer gedacht, für die u.a. bereits in Zusammenarbeit mit dem Initiator Gunter Demnig einzelne „Stolpersteine“ in Bad Nenndorf gesetzt wurden. Sie bringen das Schicksal der verfolgten und ermordeten Bad NenndorferInnen als Mahnung für Gegenwart und Zukunft in Erinnerung. Die Biografien der NS-Opfer in Bad Nenndorf - sieben Stolpersteine wurde bisher verlegt - sowie weiterer Menschen aus Schaumburg, die dem Terror der NS-Zeit ausgesetzt waren, stehen im Zentrum der Zwischenstopps.

Seit 1995 erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig mit seinem Projekt STOLPERSTEINE europaweit durch kleine Gedenksteine, die vor deren früheren Wohnorten verlegt werden, an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (www.stolpersteine.com). In Schaumburg wurden auch in Stadthagen, Rinteln, Obernkirchen und Bückeburg Steine verlegt.

Die Demonstration am 02.11. führt zum Vorplatz des Wincklerbades. Dort sind von 15 bis 20 Uhr Rede- und Musikbeiträge vorgesehen. Zu den prominenten SprecherInnen gehören RepräsentantInnen aus Politik und Gesellschaft, außerdem engagieren sich Künstler wie der Bad Nenndorfer Musiker Ferdy Doernberg, dessen Angehörige Opfer der NS-Diktatur wurden, und das Duo „Kopf und Hut“, das bereits bei den Protest-Aktionen Anfang August den zivilgesellschaftlichen Protest gegen Aktivitäten von rechtsextremistischen Organisationen in Bad Nenndorf („Trauermarsch“) unterstützte. Mit der Kundgebung vorm Wincklerbad wird der Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart geschlagen, denn dieses Gebäude steht seit 2006 im Zentrum der Vereinnahmung Bad Nenndorfs durch Neonazis. Hier soll deutlich gemacht werden, daß „Lernen aus der Vergangenheit“ eben auch aktives Eintreten für die Demokratie heißt.

Am Donnerstag, 07.11., um 18:30 Uhr, wird der Film "2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß" von Malte Ludin in den Phönix-Kurlichtspielen, Hauptstr. 4, präsentiert. Der Dokumentarfilmer bearbeitet die Geschichte seines Vaters, der als Kriegsverbrecher hingerichtet wurde. Er ist zum Gespräch über diesen beeindruckenden Film anwesend (www.2oder3dinge.de).

Am Samstag, 09.11., um 14 Uhr beginnt eine Gedenkveranstaltung anlässlich der Reichspogromnacht am Gedenkstein in der Kurhausstrasse.

Aktuelle Informationen gibt es im Internet: www.bad-nenndorf-ist-bunt.com

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