Da hat es jemand eilig: Im August 2024 haben die Deutsche Bahn und das Bundesverkehrsministerium die Katze aus dem Sack gelassen: die bevorzugte Eisenbahnverbindung zwischen Hannover und Bielefeld geht mitten durchs Schaumburger Land - nur nicht entlang der bestehenden Trasse!

Und im September 2024 folgt schon die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung nach Paragraph 25 Verwaltungsverfahrensgesetz mit einer eiligen Postwurfsendung per Postkarte an sämtliche potentiell von der Planung betroffenen Haushalte! Seien Sie sicher, die Deutsche Bahn und das Verkehrsministerium wissen ganz sicher, wer potentiell betroffen sein könnte! - In der Samtgemeinde Nenndorf sind es alle Bürgerinnen und Bürger!

Von den zwölf gerade bekannt gemachten Trassenkorridoren liegt keiner in unmittelbarer Nähe zur Bestandstrasse.

Vielmehr gehen sogar neun von zwölf auf neuem Weg quer durch unsere Samtgemeinde: von Seelze kommend südlich am Haster Wald vorbei, soll die Neubaustrecke auf einem mehrere Meter hohen Damm zwischen Kreuzriehe und Helsinghausen mit einer Brücke über die B 442 hinweggeführt werden und anschließend südlich von Hohnhorst mit einer Brücke die Deisterbahn kreuzen bevor es ebenfalls auf hohem Niveau zwischen Ohndorf und Hohnhorst über die Kreisstraße 48 und im weiteren Verlauf zwischen Ohndorf und Rehren über die Kreisstraße 47 gehen soll! Dann stößt die Neubautrasse in sieben Varianten in der Feldmark zwischen Riepen und Beckedorf wieder auf die Bestands-strecke wo in der Gemarkung Riepen vermutlich weitere Hochbauwerke erforderlich sein werden! Von dort verläuft sie parallel zur Bestandsstrecke Richtung Westen.

In den übrigen zwei der neun Varianten würde die Neubautrasse nördlich von Riepen Richtung Beckedorf verschwenkt und dort zunächst mit einer Brücke über die Landesstraße 370 geführt und im weiteren Verlauf mit Brücken zwischen Beckedorf und Lindhorst über die Kreisstraße 31 und bei Kobbensen über die Bundesstraße 65 und dann an Heuerßen und Reinsen vorbei zu einem Tunnel durch den Bückeberg geführt, der im Auetal wieder hervortritt!

Die drei Varianten, die die Samtgemeinde Nenndorf nicht ganz so direkt betreffen, weisen eine Neubaustrecke aus, die von Seelze kommend parallel zur Autobahn 2 bis zu einem Tunnel bei Bantorf führt, der den Deister unterquert und zwischen Lauenau und Rodenberg wieder ans Tageslicht tritt!

Trotz heftigster Bemühungen auf allen politischen Ebenen, trotz zahlreicher Resolutionen in den Kommunalparlamenten zwischen Hannover und Bielefeld, trotz unzähliger Demonstrationen der vielen engagierten Bürgerinitiativen, trotz eindeutig für einen trassennahen Ausbau eintretender Landesregierungen in Hannover und Düsseldorf und sogar trotz anders lautendem Bundeschienenwegeausbaugesetzes: Die Deutsche Bahn und das Bundesverkehrsministerium versuchen entgegen aller Vernunft, Milliarden Euro teure Neubautrassen durchs Land zu ziehen und begründen das mit nur wenigen Minuten Fahrzeitersparnis zwischen Hannover und Bielefeld oder anders formuliert zwischen Berlin und dem Rheinland!

Das Stichwort hierfür ist der sog. Deutschlandtakt, der als Taktfahrplan in ferner Zukunft einmal allen Bahnreisen-den kurze Umsteigezeiten und damit verlässlichere Verbindungen bescheren soll.

Ob es sinnvoll und wirtschaftlich darstell-bar ist, sich mit seinen baulichen Planungen an einem tatsächlich nur einmal er-rechneten, scheinbar alternativlosen Fahrplan auszurichten, scheint nicht mehr mit gesundem Menschenverstand beantwortbar zu sein. Für die Realisierung dieses Taktfahrplans werden lieber Milliarden Euro ausgegeben, statt eine Neuberechnung mit den nach heutigen Maßstäben realistischen Fahrzeiten entlang der Bestandsstrecken vorzunehmen!

Der gesunde Menschenverstand weicht offenbar einer rein dogmatisch nach verkehrsplanerischen Denkmustern begründeten Planung!

Man will nach Hilfe rufen und weiß bei dem Katalog der oben Aufgeführten schon fast nicht mehr, wer noch Vernunft walten zu lassen vermag!

Ein bei allen Verkehrsthemen völlig überforderter Bundesverkehrsminister scheint es nicht zu sein. Ein Bundestag, dessen übergroße Mehrheit an unserer Region gar kein Interesse hat, wird vermutlich auch keine Vernunftentscheidung treffen können, weil er einfach das beschließt, was das Verkehrsministerium zum Beschluss vorlegt!

Eine Hoffnung könnte vielleicht noch darin bestehen, dass das gesamte Vorhaben einfach zu unwirtschaftlich wird und man es sich bei leeren Kassen nicht mehr leisten will!
Hier werden wir noch viel Überzeugungsarbeit leisten und den Druck über die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen deutlich erhöhen müssen, dass es nur um eine wirtschaftlich und planerisch sinnvolle Lösung gehen kann, die bei den Menschen im ganzen Land und damit eben auch bei uns vor Ort auf Akzeptanz stößt.

In dem Sinne hat der SPD-Samtgemeindeverband in seiner jüngsten Mitgliederversammlung beschlossen, die Deutsche Bahn und die Politik in Bund und Land aufzufordern, einen trassennahen Ausbau entlang der Bestands-strecke als wirtschaftlichste und damit realistischste aller Varianten wieder in die Planung mit aufzunehmen und ihr den Vorzug gegenüber allen anderen uns hier vor Ort massiv belastenden Varianten zu geben!